Ortscaritasverband Mannheim, 12.07.2012

Frühe Hilfe für Familien mit Kleinkindern

Mannheimer Erziehungsberatungsstellen stellen Jahresbericht 2011 vor

Pressemitteilung

12. Juli 2012

Frühe Hilfe für Familien mit Kleinkindern

Mannheimer Erziehungsberatungsstellen stellen Jahresbericht 2011 vor

Die Nachfrage nach Erziehungsberatung ist in Mannheim weiterhin hoch. Meistens sind es Eltern mit mehreren Kindern, die Hilfe suchen. Das geht aus dem Jahresbericht 2011 der Mannheimer Erziehungsberatungsstellen hervor, der heute veröffentlicht wurde. Insgesamt haben die Einrichtungen der Evangelischen Kirche Mannheim, des Caritasverbands Mannheim und der Stadt Mannheim im vergangenen Jahr 2493 Familien beraten gegenüber 2486 im Jahr 2010. Davon entfallen 1249 auf die Stadt Mannheim mit ihren drei Beratungsstellen, 651 auf den Caritasverband Mannheim und 593 auf die Evangelische Kirche. Die Zahl der Ratsuchenden ist in den vergangenen 20 Jahren stetig gestiegen: im Vergleich zu 1990 um 72 Prozent. Nicht das erste oder einzige Kind stellt die Eltern vor Probleme: 85 Prozent der ratsuchenden Familien hatten zwei oder mehr Kinder. Zum Vergleich: 53 Prozent der Familien in Deutschland haben nur ein Kind.

Den größten Bedarf gibt es bei Beratungen für Kinder bis zwölf Jahre: In 58 Prozent der Fälle ging es um diese Altersgruppe. Besonderes Augenmerk legen die Erziehungsberatungsstellen auf Familien mit Kindern unter drei Jahren - laut Bericht steigt deren Anteil jährlich und erreichte 2011 zehn Prozent. „Wir achten heute mehr denn je darauf, Familien zu einem frühen Entwicklungszeitpunkt der Kinder zu erreichen, insbesondere solche in belasteten Lebenssituationen“, sagt Dr. Andreas Hundsalz, Leiter der Psychologischen  Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern der Stadt Mannheim. Denn die ersten Lebensjahre seien entscheidend für die spätere Entwicklung des Kindes. Zu den vielfältigen Hilfen für diese Zielgruppe gehören Babysprechstunden, das Projekt mikiLene, ein Bindungs- und Bildungsangebot für Eltern, und die Mitarbeit in Eltern-Kind-Zentren und Familienhäusern.

Die Mannheimer Erziehungsberatungsstellen erreichen ca. 4,3 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahre. „Der Bedarf ist allerdings deutlich höher“, sagt Dr. Sabine Gaspar-Sottmann von der Psychologischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Caritasverbands Mannheim. „Denn viele Eltern sind verunsichert und fühlen sich überfordert von der Erziehungsaufgabe.“ Auch seien Mütter und Väter selbst unterschiedlichen Belastungen ausgesetzt wie Trennung und Scheidung, Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Armut.

Als Erfolg werten die Einrichtungsleitungen, dass inzwischen auch viele Migrantenfamilien erreicht werden: 38 Prozent der Ratsuchenden haben einen Migrationshintergrund. Vor zehn Jahren waren es noch unter 20 Prozent. „Unsere jahrelangen Anstrengungen haben Früchte getragen. Wenn man allerdings sieht, dass jedes zweite Kind in Mannheim einen Migrationshintergrund hat, müssen wir uns um diese Zielgruppe weiter bemühen“, sagt Bodo Reuser, Leiter der Psychologischen Beratungsstelle für Erziehungs-, Ehe- und Lebensfragen der Evangelischen Kirche Mannheim. Denn Untersuchungen hätten gezeigt, dass überdurchschnittlich viele Kinder und Jugendliche aus Migrantenfamilien Entwicklungsstörungen haben.

92 Jugendliche nahmen die Online-Beratung „helpMAils“ in Anspruch. Das waren etwas weniger als 2010 (107), aber dafür wurden deutlich mehr Emails geschrieben: 320 gegenüber 231 im Vorjahr. Meistens kamen die Mails von Mädchen (87 Prozent). Bei den Themen standen erstmals emotionale Probleme an erster Stelle. Die Jugendlichen berichteten von Gefühlen der Überforderung, Verzweiflung und Angst. Am zweithäufigsten wurden Probleme mit Eltern und Familie beschrieben gefolgt von Freundschaft und Partnerschaft. Fünf Prozent der Jugendlichen, alle weiblich, berichteten von Gewalterfahrungen.

Um auch Eltern zu erreichen, die von sich aus nicht zur Beratung kommen, machen die Erziehungsberatungsstellen verschiedene Veranstaltungsangebote über soziale Dienste oder Schulen. Dazu gehören Elternabende, Elternkurse, Vorträge und Austauschrunden. Zu diesen Veranstaltungen kamen im vergangenen Jahr 1320 Besucher. (juk)

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