Ortscaritasverband Mannheim, 03.01.2008

Ein Leben auf der Straße - leichter zu ertragen mit Hilfe der Caritas

Hilfe für wohnunglose Menschen in Mannheim

Pressemitteilung

 

3. Januar 2008

 

Ein Leben auf der Straße –

leichter zu ertragen mit Hilfe der Caritas

 

„Muckel“ lebt auf der Straße. Seinen Spitznamen hat er bekommen, weil er rote Haare hat und „Muckel“ eine Anspielung auf die rothaarige Comicfigur „Pumuckl“ ist. Den richtigen Namen des 50jährigen kennt kaum einer, nur der Caritas-Sozialarbeiter Christian Deimel spricht ihn mit seinem richtigen Namen an. „Muckel“ kommt häufig in die Tagesstätte für Wohnungslose in D6, 7.  Dort bekommt er mittags ein warmes Essen und Kaffee, nutzt die Möglichkeiten zur Körperhygiene, das heißt, er geht duschen oder wäscht sich in den dafür vorgesehenen Räumen. Jetzt, in der kalten Jahreszeit, fragt der Obdachlose auch schon mal in der Kleiderkammer nach neuen, gebrauchten Kleidungsstücken, die ihn während kalter Nächte warm halten sollen.

 

„Wir haben normalerweise alle Arten von Kleidung vorrätig. Jetzt im Winter sind natürlich vor allem dicke Daunenjacken gefragt. Darüber hinaus geben wir aber auch bei Bedarf Hygieneartikel, Schlafsäcke oder Fahrkarten und Bademarken“, weiß Christian Deimel. Der Mannheimer Caritasverband Mannheim setzt sich seit Jahren für wohnungslose Menschen in der Metropolregion ein. Täglich zwischen 8.30 Uhr und 12 Uhr öffnen ein Team von hauptamtlichen Caritasmitarbeitern und ehrenamtlichen Helfern die Tagesstätte. Bereits im Eingangsbereich tummeln sich dann bis zu 30 bedürftige Menschen, die auf ein warmes Getränk oder Mittagessen, auf eine Sozialberatung oder ärztliche Behandlung hoffen. „Oft kommen unsere Klienten zu uns und haben alle möglichen Probleme: den Ausweis verloren, keine Sozialversicherung oder eine offene Wunde am Bein. Auch dann versuchen, wir zu helfen, wo wir können“, erzählt Pia Dworatzek, die ebenfalls hauptamtlich in der Tagesstätte tätig ist, von ihrer Arbeit. Jede zweite Woche gibt die ehrenamtlich arbeitende Ärztin Dr. Jasmin Rustom eine Sprechstunde in einem Behandlungszimmer in der Caritas-Einrichtung. Zusammen mit einer Krankenschwester kümmert sie sich um die kleinen und großen Wunden der Patienten. „Häufig sind es kleinere Verletzungen, die sich unsere Klienten zugezogen haben, die dann aber wegen schlechter Hygiene oder mangelnder Wundversorgung schlecht heilen“, weiß Deimel um die Nöte Wohnungslosen.

 

Schwieriger wird es, wenn die Sozialarbeiter die Situation der Wohnungslosen verbessern wollen. „Viele von ihnen haben eigentlich Ansprüche auf Sozialleistungen – Rentenansprüche, Wohngeld oder Hartz IV. Mit etwas Geld könnten sie natürlich besser leben, aber viele unserer Klienten haben eine große Scheu davor, sich mit Ämtern und Behörden auseinander zu setzen oder wissen einfach nicht, wie es funktioniert. Dann setzen wir uns ans Telefon und versuchen, eine Grundversorgung zu erreichen“, erklärt Deimel. Dazu gehört auch die Vermittlung an Wohnheime und Notunterkünfte, damit die Wohnungslosen nicht draußen schlafen müssen. Für manche ist es auch der erste Schritt zurück in ein geregeltes Leben.

 

„Zwischen Männern und Frauen gibt es häufig Probleme“, weiß Ute Fischer, die die Fachberatungsstelle und Tagesstätte für wohnungslose Frauen Oase leitet. Die Türen der Oase in H5, 4, stehen nur für Frauen offen, um Konflikte zwischen den Geschlechtern zu vermeiden und der Ausnutzung der Frauen vorzubeugen. „Hier finden die Frauen einen Schutzraum, in dem sie sich waschen können, eine gute Beratung und etwas Geselligkeit erfahren“, so Fischer. Nicht alle Frauen, die regelmäßig in die Oase kommen, sind wohnungslos. Den meisten gemein ist aber ihr Lebensmittelpunkt: die Straße. Dazu kommen auch Frauen, die im Privaten und Beruflichen ziel- oder orientierungslos sind. Allen schenkt Ute Fischer ein offenes Ohr, steht mit Rat und Tat zur Seite und ist manchmal erschrocken über die Schicksale, die sich hinter ihren Klientinnen verbergen. „Leider nimmt die Zahl der Frauen in diesen Problemsituationen stetig zu“, weiß die Sozialarbeiterin.

 

Während der Wintermonate pilgern die Bedürftigen in Mannheim in verschiedene Pfarreien. Ehrenamtliche Helfer beider Konfessionen laden zwischen Oktober und Palmsonntag sonntags in die Gemeindehäuser ein und bitten unentgeltlich, manche aber gegen Vorlage eines Gutscheins, zu Tisch. Knödel und Braten, Kaffee und Kuchen warten dann auf die Wohnungslosen. „Wir stehen natürlich auch zu Gesprächen  bereit“, sagt Pfarregemeinderat Hermann Kley von der Gemeinde Zwölf Apostel auf der Vogelstang, die in der Adventszeit eingeladen hat. Weit über 100 Gäste sättigen sich regelmäßig bei den Sonntagseinladungen.

Hilfe für bedürftige Menschen durch Ehrenamtliche gibt es auch in der Gartenstadt. Dort haben eine Handvoll Damen der Caritaskonferenzen kürzlich eine Kleiderkammer speziell für Kinder eröffnet. Hosen, Pullover und Jacken aller (Kinder-)Größen, dazu Schuhe und sogar Spiele sind dort zu bekommen – aber nur, wenn man einen Bezugsschein von den Beratungsstellen hat. Sonst wäre diese Anlaufstellen überlaufen.

 

„Muckel“ hat bei der Kleiderausgabe in D6, 7, einen Pullover ergattert. Dieser wird ihn in den nächsten Monaten warm halten, wenn er durch Mannheim zieht. 25 Jahre war er wohnungslos und lebte auf der Straße. Vor einem Jahr hat er durch Christian Deimel und sein Team einen Platz in einem Wohnheim bekommen. „Man muss auf die Menschen zugehen und ihnen die Verbesserungen Stück für Stück nahe bringen. Der Rest ist Hoffnung“, so der Sozialarbeiter. (ckl)

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