Das Haus von außen mit renovierter Fassade
Dabei wurde darauf geachtet, das historische Aussehen wiederherzustellen. Das Schmuckstück kann am 9. September beim Tag des offenen Denkmals besichtigt werden.
Die Villa ist das letzte erhaltene Wohngebäude in Mannheim im klassizistischen Stil. Sie wurde 1833/1834 vom Kaufmann Carl Anton Schott erbaut und später von der Witwe Cäcilie Hortense Bumiller gekauft. Sie überschrieb das Haus ihrem Sohn Theodor kurz nach dessen Hochzeit mit Emilie Lanz. Das Paar - er schneidiger Weltreisender (siehe Hinweis unten), sie Tochter eines wohlhabenden Fabrikanten - brachte es zu einiger Bekanntheit. Allerdings lebten sie über ihre Verhältnisse, verprassten ihr Erbe und trennten sich bald.
Das Haus in D 7, zeitweise mit Hypotheken belastet, beherbergte ab 1909 ein Schifferkinderheim für Jungen. Nach Theodor Bumillers frühem Tod 1912 vermachte seine Witwe das Gebäude der katholischen Kirche. Von dieser kaufte es der Caritasverband Mannheim 1978 und richtete dort eine Psychologische Beratungsstelle für Kinder und Familien ein. Diese ist dort bis heute untergebracht. Im Hinterhaus haben die Suchtberatung und die Sozialpädagogische Familienhilfe der Caritas ihren Sitz.
Aus Bumillers Zeiten sind noch die verzierte Eingangstür und der Mosaikboden im Erdgeschoss sowie die Stuckdecken und die Parkettböden im ersten Geschoss erhalten. Auch die Raumaufteilung ist unverändert. Der Treppenaufgang wurde jetzt neu gestrichen und bekommt einen neuen roten Läufer. Ein neues Oberlicht lässt Helligkeit herein. Auch wurden innen die Sanitärräume erneuert. Außen wurde für die Fassade die frühere Farbgestaltung rekonstruiert, und die historischen Holzfenster wurden nachgebildet. Alle Arbeiten wurden eng mit dem Fachbereich für Denkmalschutz abgestimmt.
"Wir sind als Caritasverband stolz auf dieses Haus und sehen uns in der Verpflichtung, dieses Mannheimer Erbe zu erhalten", sagt Caritas-Vorstand Dr. Roman Nitsch. Dr. Sabine Gaspar-Sottmann, Leiterin der Abteilung Familie und der Psychologischen Beratungsstelle, ergänzt: "Wir sind dankbar, in solchen Räumen arbeiten zu dürfen." Immer wieder hörten sie von Menschen, die in die Beratung kämen, wie schön und beeindruckend es hier sei. Im ehemaligen Salon, dem schönsten Raum des Hauses, finden auch Gruppenangebote und Kurse statt.
Wer sich selbst einen Eindruck verschaffen möchte, hat dazu am Sonntag, 9. September, die Möglichkeit: Das Haus öffnet beim Tag des offenen Denkmals von 10 bis 15.30 Uhr seine Türen.
Hinweis:
Theodor Bumiller (1864-1912) nahm in den 1880er- und 1890er-Jahren an militärischen Expeditionen in Deutsch-Ostafrika teil, die der gewaltsamen Durchsetzung der deutschen Kolonialherrschaft dienten. Dabei kam es zu Überfällen auf Dörfer, Plünderungen und Tötungen, die der Unterwerfung der lokalen Bevölkerung dienten. In der damaligen Öffentlichkeit wurde Bumiller als "Kolonialpionier" gefeiert - aus heutiger Sicht war er Teil und Mitgestalter kolonialer Gewalt.
In seiner Villa in D7, 5 inszenierte Bumiller seine "imperiale Weltläufigkeit": Die Räume waren mit Waffen, Masken und Alltagsgegenständen aus Ostafrika ausgestattet, die er während seiner Einsätze gesammelt oder als Kriegsbeute mitgebracht hatte. Diese Sammlungen sind heute Teil der Bestände der Reiss-Engelhorn-Museen.
Heute werden in dem Haus entgegengesetzte Werte gelebt: Menschlichkeit, Solidarität und der Einsatz für eine gerechte Welt.