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Stand: 28.02.2017

Pressemitteilung

Drei Gänge plus Respekt und Wärme

Gruppenfoto der Helferinnen und HelferGruppenfoto der Helferinnen und Helfer

 

"Ich hatte es mir anders vorgestellt.  Ich dachte, wir stehen wie in einer Mensa an einer Theke und schöpfen das Essen aus - und jetzt bin ich positiv überrascht", sagt Salome. Sie ist Schülerin der neunten Klasse des Ursulinen-Gymnasiums und heute eine von 50 ehrenamtlich Helfenden bei der Sonntagseinladung der Mannheimer Innenstadt-Pfarreien in A 4,1. Ihre Mitschülerin Gabriela nickt und ergänzt: "Wir wussten nicht, dass hier eine so schöne Atmosphäre herrscht, dass die Leute bedient werden und miteinander ins Gespräch kommen." Die beiden tragen Essen auf und räumen das Geschirr ab.

Drei lange Tischreihen ziehen sich durch den großen Ignatiussaal, dessen Fenster zum Hof der Jesuitenkirche und auf das Ursulinengymnasium weisen. Jeder Platz ist besetzt, auch die zusätzlichen Tische im Foyer bleiben nicht leer. Weiße Tischdecken, darauf Gestecke und Zitrusfrüchte - adventlich und festlich geht es zu bei der Speisung für Bedürftige, die an diesem dritten Adventssonntag die Mannheimer Kirchengemeinde Johannes XXIII. übernommen hat. Dekan Karl Jung, der auch dieses Jahr am Sonntagsessen teilnimmt,  betont, dass es zur Kernaufgabe von Kirche und Caritas gehöre, dort zu sein und zu handeln, wo Menschen in Not sind.

Gut 200 Menschen sind der Einladung heute gefolgt. Frauen und Männer, Alte und Junge. Manchen Gesichtern sieht man an, dass sie Wind und Wetter ausgesetzt sind und vermutlich wenig zu lachen haben, andere wirken ganz "normal". Die einen schweigen,  andere unterhalten sich rege mit den Tischnachbarn. Es gab Gemüselasagne und Braten mit Knödeln und Bohnen. Dazu Getränke nach Wahl. Die Stimmung ist positiv, friedlich, feierlich. Und dankbar. "Es macht einem selbst Freude zu wissen, dass die Leute satt geworden sind und etwas Gutes, Gekochtes bekommen haben", sagt Salome.

 Seit rund 25 Jahren gibt es die Sonntagseinladungen in Mannheim, die von Oktober bis März in verschiedenen  Gemeinden stattfinden und in denen wohnungslosen und bedürftigen Menschen eine warme Mahlzeit, aber auch Aufmerksamkeit, Herzenswärme und Respekt geschenkt werden. Was als katholische Initiative auf Betreiben einer Niederbronner Ordensschwester begann, hat über die Jahre viele Mitstreiter gefunden. So beteiligen sich auch evangelische Gemeinden und die Bosnische Moschee-Gemeinde an den Sonntagseinladungen. Möglich werden die Einladungen durch Geld-,  Sach- und Kuchen-Spenden - dieses Jahr hat eine Klasse von Geflüchteten, die sich auf das Bäcker-Handwerk vorbereiten, viel Gebackenes beigetragen - und natürlich den ehrenamtlichen Einsatz vieler.

Zum Beispiel von Roswitha Niedermeier. Über ein Mikrophon fragt sie, ob jemand noch kein Essen bekommen habe. Vereinzelt gehen Hände in die Höhe. Außerdem gebe es nun Nachschlag. Bei Roswitha Niedermeier laufen heute alle Fäden zusammen. In unzähligen Stunden hat die Pfarrgemeinderätin dieses Event vorbereitet- und das offensichtlich mit Freude. "Das ist ein spürbares Zeichen unserer Solidarität mit den Menschen, die nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens zuhause sind", sagt sie und eilt weiter - schließlich gibt es noch Dessert (Vanillepudding) und nach einer adventlichen Besinnung mit Gedichten und Liedern auch noch Kaffee und Kuchen. Auch ein kleines Geschenkpäckchen mit Firmenspenden dürfen die Gäste am Ende mitnehmen. Aber im Weggehen ergänzt sie noch: "Man spürt die Dankbarkeit und die Freude der Menschen, hier zu sein. Deshalb gibt es auch so viele, die helfen - und manche davon schon viele Jahre." Auch Gabriela und Salome können sich gut vorstellen, nächstes Jahr wieder mit dabei zu sein.

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