Pressemitteilung
18. November 2010
Für Arbeitslose kämpfen – Franz Pfeifer und Wolfgang Humpfert verlassen die „DiAG Arbeit“
Die Mitgliederversammlung der „Diözesan-Arbeitsgemeinschaft
Arbeit“ Mitte November in Mannheim stand unter einem ganz besonderen Stern: „Heute
am 11.11. beginnt feiern wir den Heiligen Martin, der seinen Mantel geteilt und
für einen Verletzten gegeben hat“, leitete Monsignore Bernhard Appel in die
Sitzung ein. Gleichzeitig war es aber auch ein Tag, an dem zwei Gründungsmitglieder
und langjährige Vorstandsmitglieder der AG in den Ruhestand verabschiedet
wurden: Vorstandsvorsitzender Franz Pfeifer und sein Stellvertreter Wolfgang
Humpfer waren beide schon beim Beginn vor elf Jahren dabei. Hier verwies
Monsignore Appel wieder auf den Heiligen Martin: Dieses starke Caritas-Leitbild
sei seit Bestehen der „Diözesan-AG Arbeit“ ein Handlungsmotiv ihrer Mitglieder
gewesen.
Die Geschäftsführerin der AG Dr. Ulrike Hahn blickte zurück auf das Wirken des Vorstands in den letzten Monaten: Insbesondere die Neuordnung des SGB II und die damit zusammenhängende Grundgesetzänderung seien Aufgaben gewesen, derer sich der Vorstand der „DiAG Arbeit“ angenommen und die Positionen der Caritas auf allen politischen Ebenen deutlich gemacht hat. Anschließend entlasteten die Mitglieder der AG den Vorstand einstimmig, ehe der wichtigste Punkt auf der Tagesordnung wartete: die Verabschiedung von Franz Pfeifer und Wolfgang Humpfer sowie die Neuwahlen der frei gewordenen Vorstandsposten.
Monsignore Bernhard Appel lobte die langjährige Arbeit von Wolfgang Humpfer: „Die Initialzündung für sein Engagement war das Erkennen, wie sich Arbeitslosigkeit auf die Menschen auswirkt“, blickte Appel zurück. Als Gründungsmitglied habe Humpfer die „DiAG Arbeit“ immer als Netzwerk gesehen, in dem er unzählige neue Knoten gesponnen habe. Dabei habe er seine Aufgabe als eine politische gesehen, die er auf Stadt-, Landes-, und Bundesebene vertreten hat. Er gründete in Freiburg mehrere Ausbildungsbetriebe für benachteiligte Jugendliche und war ein Vorreiter der Fairkauf-Häuser. „Sie haben immer klar Position bezogen und waren ein echter Kämpfer, der alle Hebel in Bewegung gesetzt hat, um etwas für die Menschen zu bewirken. Zähigkeit und Hartnäckigkeit haben sie ausgezeichnet“, sagte Monsignore Appel über Humpfer: „Seinen Leitgedanken hat er bei Berthold Brecht entliehen: Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren“. Wolfgang Humpfer bedankte sich für das Lob und auch die Mitwirkung seiner Arbeitskollegen: „Es war eine Freude, hier mitarbeiten zu dürfen.“
„Franz Pfeifer hat in den elf Jahren der „DiAG Arbeit“ immer eine besondere Antenne für die Auswirkungen der Arbeitslosigkeit gehabt“, sagte Bernhard Appel über den zweiten scheidenden AG-Vorsitzenden: „Sie haben es immer verstanden, Sozialpolitik und Caritas miteinander zu verbinden. Dabei haben sie immer großen Weitblick für das „Schmuddelthema“ Arbeitslosigkeit bewiesen.“ In seiner Laufbahn habe Pfeifer vieles auf den Weg gebracht, darunter das „Förderband“ in Mannheim wie auch die Integrationsbetriebe Fairkauf und ad laborem. Nicht nur in Mannheim habe Pfeifer mitgemischt, sondern auch die „Bundesarbeitsgemeinschaft Arbeit“ als stellvertretender Vorsitzender mitbegründet und in dieser Rolle Positionen auf Bundesebene auf den Weg gebracht. „Ihr Leitgedanke war stets die Leitung und Qualifizierung von Arbeitslosen“, lobte Appel. Franz Pfeifer bedankte sich für die Zusammenarbeit und verdeutlichte noch einmal die Bedeutung der Arbeitsgemeinschaft: „Es war sehr wichtig, dass die AG damals gegründet wurde. Wir wussten damals schon, dass Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammenwachsen würden und sich daraus viele wichtige sozialpolitische Änderungen ergeben haben. An diesen Problemfeldern muss die AG künftig weiterarbeiten.“
Die Neuwahlen des Vorstandsvorsitzenden und des Vertreters ergaben: Albert Wild vom Caritasverband Bruchsal wurde einstimmig zum Vorsitzenden gewählt. Er wird nun für drei Jahre den Vorsitz der „Diözesan-Arbeitsgemeinschaft Arbeit“ übernehmen. Vertreten wird ihn Hans-Gerd Köhler aus Karlsruhe. Weiterhin wurden der Herbolzheimer Hannes Zuther und der Freiburger Hagen Sichtling in den Vorstand gewählt.
Am Nachmittag stellten sich die Mitglieder der „AG Arbeit“ auf ihrer Fachtagung den möglichen Entwicklungen in der Beschäftigungsförderung. Wolfgang Humpfer und Dr. Ulrike Hahn zeigten am Beispiel eines Chamäleons, welche Anforderungen an die Caritas gestellt werden: Flexibilität, Anpassungsfähigkeit, Buntheit, eine gute Wahrnehmung, Überlebenskunst. „Die Existenzgrundlage der Beschäftigungsbetriebe ist gefährdet – wie auch der Lebensraum der Chamäleons“, schloss Humpfer und mahnte künftig zur Aufmerksamkeit. Der Justitiar des Deutschen Caritasverbandes Reiner Sans informierte die Tagungsteilnehmer über die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Beschäftigungsbetriebe. Kernthesen der anschließenden Diskussion bezogen sich darauf, dass im aktuellen System die Sockelarbeitslosigkeit gefestigt werde und Mechanismen wie Ein-Euro-Jobs kaum Möglichkeiten zum Aufstieg in den ersten Arbeitsmarkt böten. Gleichzeitig kritisierten die Diskussionsteilnehmer die Zusätzlichkeit der Zusatzjobs. Franz Pfeifer formulierte eine mögliche künftige Leitlinie: „Die Illusion der Zusätzlichkeit von Zusatzjobs muss genommen werden. Alle Betriebe, insbesondere auch die am ersten Arbeitsmarkt, sollten die Möglichkeit erhalten, solche Menschen zu beschäftigen“. Dann, so Pfeifer, müsse man die Notwendigkeit und den Nutzen des Arbeitsmarktinstrumentes nicht anzweifeln. Pfeifer warnte davor, dass das Problem der Arbeitslosigkeit künftig totgeschwiegen werden könnte, dass die prosperierende Wirtschaft den Sockel an Arbeitslosen mit trägt. Wolfgang Humpfer gab seinen Kollegen deshalb einen guten Rat mit auf den Weg: „Seid Sand im Getriebe der Welt“. (ckl)