"Die digitale Revolution verändert die Grammatik von Konflikten" (183) - Sätze wie diese machen die Sozialenzyklika von Papst Leo zuerst und vor allem zu einer Friedensenzyklika. Sie verknüpft die Sorge um die ökologische Bedrohung der Erde mit der Sorge um eine technische Bedrohung unseres Menschseins.
Im Kontext des digitalen Umbruchs schaffen digitale Netzwerke, die globalisierte Wirtschaft und die Entwicklung von KI immer dichtere Verbindungen und verknüpfen Entscheidungen, die an einem Ort getroffen werden, in Echtzeit mit Auswirkungen, die sie an anderer Stelle hervorrufen. "Es reicht nicht aus, dass KI uns effizienter oder vernetzter macht; sie muss dazu dienen, jene universale Menschheitsfamilie mit gemeinsamen Rechten und Pflichten aufzubauen, in der digitale Nähe zu einer echten Chance für Begegnung und gegenseitige Fürsorge wird." (187)."
Erkennbar droht eine Kolonialisierung und Ausbeutung der Menschen in den armen Regionen der Erde - durch die Aneignung von Daten als verwertbare Informationen, durch die Möglichkeiten invasiver Überwachung und durch den Energie- und Rohstoffhunger digitaler Infrastrukturen. Armut und Reichtum driften im Zeitalter der KI rasend auseinander und es gelingt den Reichen und Mächtigen, mit Hilfe vorurteilsbelasteter Daten und Algorithmen Armen den Zugang etwa zu medizinischem Fortschritt, Beschäftigung und Sicherheit vorzuenthalten. Der Appell des Papstes ist unüberhörbar: Wir sind gefordert, diesen Ausbeutungs-Dynamiken entgegenzutreten und den Armen und Vulnerablen eine Stimme zu geben, ihre Perspektive ernst zu nehmen.
Wer die "Zivilisation der Liebe" stärken will, muss die "KI entwaffnen"! Papst Leo ist unmissverständlich in dieser Erwartung: Wichtige Entscheidungen über Leben und Tod, über Ausgrenzung und Zugehörigkeit dürften nie vom menschlichen Gewissen getrennt und selbständig von KI getroffen werden. Dabei maßt der Papst sich nicht an, die Kirche verfüge über Kenntnisse der Technik, die der Welt fehlen, aber "wir bringen Weisheit über das Menschliche ein". Damit die Technik sich so entwickelt, dass sie dem Gemeinwohl dient und nicht die Zerstörungspotenziale stärkt, steht er als Gesprächspartner zur Verfügung und ruft uns alle dazu auf, im Dialog zu bleiben. An der heutigen Vorstellung der Enzyklika in Rom beteiligte Leo XIV. Männer und Frauen aus allen Ecken der Erde, Informatiker und Sozialethikerinnen, Bischöfe und Laien. "Fürchten wir uns nicht vor der KI, sondern fühlen wir uns durch sie aufgerufen, wachsam zu sein."
Es geht darum, eine Kultur und Räume menschlicher Begegnung zu erhalten. Für uns als Caritas in Deutschland verbindet sich mit der Enzyklika erkennbar ein sehr konkreter Auftrag!